Krönungsmahl Joseph II.

Das großformatige Gemälde, Teil eines Bildzyklus von Martin van Meytens zur Krönung von Joseph II., verbildlicht das kaiserliche Tafelzeremoniell des 18. Jahrhunderts bis ins kleinste Detail.

Das Gemälde von Martin van Meytens, Hofmaler von Kaiserin Maria Theresia, und seiner Werkstatt stellt das Festmahl im Römer in Frankfurt am Main anlässlich der Krönung von Joseph II. zum römisch-deutschen König am 3. April 1764 dar.

Die monumentale Darstellung verbildlicht eindrücklich das höfische Tafelzeremoniell und zählt zu den meistverwendeten Illustrationen der kaiserlichen Tafelkultur des Barock. Die räumliche Verteilung der Festgesellschaft und die jeweils zugeordnete Ausstattung unterlag einer strengen Hierarchie. Das Zeremoniell beim Krönungsbankett blieb in seinen Grundzügen über Jahrhunderte gleich und erschloss sich aus dem Machtgefüge im Heiligen Römischen Reich. In vielen Stichwerken und – in diesem Fall – in einem detailreichen Gemälde festgehalten, wurde der vergängliche Moment des Krönungsmahls über die Zeit hinaus sichtbar gemacht.

Die prachtvoll gedeckten Banketttafeln zeigen Silber- und Goldservice aus der Silberkammer. Entlang der Wände stechen Paradebüffets ins Auge, die übertrieben hoch erscheinen und damit im Bild bewusst betont werden. Die Teilnehmer des Banketts befüllten die Büffets mit Prunkgeschirr, das sie zur Präsentation eigens mitbrachten. Drei der Paradebüffets waren dem Kaiser zugewiesen. Die schiere Menge an Tafelgerät aus Edelmetall war ein gegenständliches Zeugnis für Macht und Einfluss. Die überhöhte Tafel von Kaiser Franz I. Stephan, der neben seinem Sohn Joseph saß, war mit Wiener Geschirr aus purem Gold gedeckt. Das vom damals führenden Wiener Gold- und Silberschmied Würth hergestellte Goldservice hatte Kronprinz Joseph 1760 zu seiner Hochzeit mit Isabella von Parma als Geschenk erhalten. Um den Staatshaushalt zu sanieren, gab Kaiser Franz II./I. dieses Service im Jahr 1797 zur Einschmelzung frei. Bei der Übergabe an das Münzamt erfasste man das Gewicht des Goldservices mit etwa 220 Kilogramm.