Mundzeug von Kaiserin Maria Theresia

Die Kassette der persönlichen Besteckgarnitur der Kaiserin aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigt die prominente Nummer 1 des Sammlungsinventars der Silberkammer.

Das Mundzeug von Kaiserin Maria Theresia ist aus Gold gefertigt. Der Begriff Mundzeug bezeichnet eine persönliche Besteckgarnitur, welche vor der Verbreitung von Tafelbesteck als Teil der bereitliegenden Tafeldeckung jeweils mitgebracht wurde. Zur transportablen Garnitur gehören auch eine Gewürzdose und ein Eierbecher, wodurch sichergestellt wurde, dass die Kaiserin ihre Mahlzeit immer und überall standesgemäß mit Besteck aus Edelmetall einnehmen konnte. 

Ein eigener Silberdiener war für die Pflege und Bewachung des Mundzeugs zuständig. Diese Maßnahme verringerte einerseits das Risiko für Vergiftungsanschläge, andererseits spielte dabei auch die zeremonielle Ehrerbietung gegenüber der Herrscherin eine Rolle. Zu jeder Mahlzeit wurde das Mundzeug nach festgelegten Vorgaben aus der Silberkammer an die kaiserliche Tafel gebracht. In einer Anordnung wies Maria Theresia an, dass das Mundzeug bei Dunkelheit durch einen zusätzlichen Diener, der einen Leuchter trug, begleitet werden sollte. 

Suppenlöffel, Gabel und Messer entsprechen bereits der heute üblichen Besteckform. Mit der zweizinkigen Tranchiergabel konnten größere Bratenstücke aufgenommen werden. Der multifunktionale Eierlöffel weist eine lange halbgehöhlte Form des Stiels auf, mit der das damals beliebte Knochenmark aus den Suppenknochen gezogen werden konnte. Auch die Funktionalität des Eierbechers überrascht. Je nachdem wie man den Becher aufsetzte, wurde das Ei stehend oder liegend verspeist. 

Nach dem Tod von Maria Theresia wurde das Mundzeug in den Kasten mit nicht mehr verwendetem Tafelgerät der Silberkammer gelegt, der gleichsam der erste museale Depotschrank der Sammlung war. In den Inventaren der Silberkammer von 1808 wird das Mundzeug der Kaiserin unter der Nummer 1 angeführt. Bis heute hat sich das entsprechende Etikett auf der Kassette erhalten.